Leopardgecko-Terrarium – wie Chili in unser Leben kam
Sammy – der kleine Tiger
2010 lernte ich meinen Freund kennen. Schnell war klar: wir mögen Tiere beide gleichermaßen gern – Katzen zum Kuscheln und Geflügel zum Essen. Also entschieden wir uns für eine Katze. Es wurde ein kleiner Tiger, den wir Sammy tauften – benannt nach einer Figur aus der Serie Supernatural, die wir damals schauten. Die coolere Figur hieß Dean, aber das klingt als Katzenname wirklich nicht gut.
Fünf Jahre teilte Sammy sein Leben mit uns. Dann, an Weihnachten 2017, kam er eines Abends nicht mehr nach Hause. Wir suchten die ganze Nachbarschaft ab, klingelten bei Nachbarn, hingen Vermissten-Poster auf. Nichts.
Der schlimme Anruf
Ein paar Tage später kam der Anruf von Tasso, wo unser Kater registriert war. Es gab eine tote Katze nicht weit von uns – auf die Beschreibung von Sammy passend. Mein Freund musste nachschauen gehen. Ich konnte nicht. Mein Herz schlug bis zum Hals.
Er kam nach Hause – mit einer Plane in den Händen. Wir hatten Gewissheit. Sammy war wahrscheinlich überfahren worden. Er wurde in unserem Garten beerdigt, was im tiefsten Winter mit gefrorenem Boden alles andere als einfach war.
Keine Katze mehr – aber was dann?
Danach wollten wir keine Katze mehr. Der Schmerz und die Angst, dass es wieder so endet, war zu groß. Irgendwann meldete sich das Verlangen nach einem Haustier zurück – aber es sollte eines sein, das sicher im Haus bleibt. Keine reine Wohnungskatze, kein Hund. Was also?
Die große Haustier-Abwägung
Hund? Zu viel Respekt davor, und tagsüber kann man die nicht lange allein lassen. Kaninchen? Riechen nicht gut. Hamster? Kurze Lebenserwartung, wenig Freude. Schildkröte? Langweilig – und im Winter in den Kühlschrank legen ist eine komische Vorstellung. Vögel? Zu laut. Frettchen wären auch cool, aber zu aufgedreht und brauchen zu viel Platz. Ich war mal bei einer ehemaligen Studienkollegin, die zwei Frettchen hatte – die rochen für mich erstaunlicherweise irgendwie nach Honig. Nicht störend. Aber trotzdem.
Die Entscheidung für das Leopardgecko-Terrarium
Dann fragte mein Freund, ob wir nicht Leopardgeckos halten sollten. Pflegeleicht, kein Krach, kein (störender) Geruch, stubenrein, auch mal ein paar Tage alleine lassbar – und mit einer Lebenserwartung von 15 bis 20 Jahren, unter guten Bedingungen sogar noch länger. Er hatte früher schon welche gehabt und kannte sich aus.
Ich informierte mich über alles, was ich finden konnte – Lebenserwartung, Pflege, Handhabung, Terrarium. Ich verschlang jeden Artikel wie verrückt. Es gab nur ein Problem: Ich fand Reptilien damals überhaupt nicht niedlich. Also fuhren wir zu einem Reptilienhändler, damit ich mir die Tierchen live ansehen konnte. Ich war sofort schockverliebt und wollte am liebsten alle haben. Leopardgeckos haben von Natur aus ein Lächeln im Gesicht – was sie unglaublich sympathisch macht.
Das Terrarium entsteht
Wir besorgten ein Terrarium mit allem Zubehör. Ich baute aus Styropor und anderen Materialien eine Rückwand – alles so, dass sich die Geckos nicht verletzen konnten und alle Materialien schleckfest waren. Eine fertige Rückwand kam für mich als Tüdel-Tante natürlich nicht in Frage. Dann kam der große Tag: wir suchten uns zwei weibliche Geckos aus, möglichst nah an der natürlichen Färbung. Es wurden Chili und Pepper.
Die Namensfindung
Die Namensfindung dauerte übrigens sehr lange – die beiden hießen anfangs einfach nur Gecko 1 und Gecko 2. Wie kamen wir nun also auf die Namen? Geckos sehen aus wie kleine Drachen ohne Flügel. Drachen speien Feuer. Feuer ist heiß. Was verbindet man mit heiß? Scharfes Essen. „Chili“ war schnell gefunden. Was ist noch scharf? Pfeffer. Klingt seltsam auf Deutsch – also die englische Variante: „Pepper“.
Pepper und die Diagnose Cryptosporidien
Nach ein paar Wochen der erste Schock. Pepper stürmte von der Rückwand herunter und erbrach ihr zuvor verspeistes Futterinsekt. Irgendwas stimmte nicht. Sie kam sofort in Quarantäne. Ab da ging es nur noch bergab – sie fraß nicht mehr, wurde immer dünner.
Was sind Cryptosporidien?
Der Besuch beim Tierarzt und eine Kotprobe ergaben die Diagnose: Cryptosporidien. Das sind Parasiten im Verdauungstrakt von Reptilien – und leider ein Todesurteil für Leopardgeckos, da es bislang keine Heilung gibt. Die gute Nachricht: Die reptilienspezifischen Cryptosporidien-Arten sind nicht auf Menschen oder andere Säugetiere übertragbar. Für uns also keine Gefahr – für Pepper leider trotzdem keine Rettung (kurzzeitige Magen-Darm-Beschwerden kann man trotzdem bekommen, wenn man nicht auf die Hygiene achtet).
Wir versuchten weiter, Pepper mit Mehlwürmchen zu füttern – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Bauten ihr ein separates Terrarium, damit sie nicht die ganze Zeit in der kleinen Quarantänebox sein musste. Sie wurde knapp ein Jahr alt.
Nur noch Chili – und das ist auch gut so
Nun blieb uns Chili. Ein zweites Gecko-Mädel wollten wir nicht holen – aus Sorge, dass es Chili anstecken könnte, die sich wie durch ein Wunder nicht mit Peppers Parasiten infiziert hatte. Außerdem weiß man nie, ob sich ein neuer Gecko mit Chili vertragen würde. Chili ist eine kleine Diva und würde ihr Territorium wahrscheinlich nicht mehr teilen wollen.
So bleibt es dabei: nur Chili. Das ist auch nicht schlimm – ob Leopardgeckos nun echte Einzelgänger sind oder nicht, ist in der Gecko-Welt tatsächlich umstritten. In der Natur trifft man sie manchmal in kleinen Gruppen an, bilden aber keine sozialen Bindungen. Einzelhaltung gilt vielen erfahrenen Haltern als die artgerechteste Lösung. Und Chili scheint das genauso zu sehen.
Seit 2023 erfreue ich mich täglich an ihrem von Natur aus lächelnden Gesicht und beobachte sie dabei, wie sie durch das Terrarium streift und Blödsinn treibt. Aber das behalte ich mir für andere Geschichten auf.







