Haustiere – eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit
Erinnerungen alle ohne Garantie
Ich schreibe alles so nieder, wie ich mich daran erinnere – ob das tatsächlich der Wahrheit entspricht, kann ich nicht beurteilen. Erinnerungen aus der Kindheit sind halt so eine Sache.
Vom Bremer Großstadtkind zum Schwarzwälder Wald-Sprössling
Als ich 1991 mit knapp fünf Jahren mit meinen Eltern von Bremen in den Schwarzwald zog, landeten wir quasi in der Wildnis. Im Umkreis von über drei Kilometern gab es exakt einen Nachbarn. Wer mit mir aufgewachsen ist, weiß das – alle anderen: willkommen in meiner schönen Kindheit.
Mikesch und Kasimir – die Katzen aus dem Wald
Eines Tages fanden wir in unserem großen Garten, der direkt an die Gauchachschlucht grenzte, eine Katze mit mehreren Jungen. Irgendwann war die Mutterkatze verschwunden und die Jungen streunten hungrig im Wald und in unserem Garten umher. Natürlich mussten wir direkt helfen.
Mikesch wurde der erste Mitbewohner
Mein Dad baute einen Kasten mit einer Art Falltür an der wir ziehen konnten, wenn sich eines der kleinen Kätzchen dort hinein wagte. Wir fingen ein Kätzchen – ein rot-weißer Kater, der den Namen Mikesch bekam. Warum Mikesch? Weil Oma in Norddeutschland auch einen Mikesch hatte. Da musste unserer natürlich auch so heißen. Als Kind ist man eben nicht sonderlich kreativ bei der Namensfindung.
Kasimir – der zweite Kater zieht ein
Kurze Zeit später war noch ein weiteres Kätzchen übrig, das wir natürlich auch nicht im Wald lassen konnten. Auch ein Kater – und der bekam den Namen Kasimir, nach einer Figur aus der Sesamstraße. Kasimir und Mikesch verstanden sich prächtig! Also nein, … nicht wirklich – die beiden stritten sich eigentlich ständig obwohl sie Geschwister waren.
Abschied von Kasimir
Irgendwann hatte Kasimir wahrscheinlich genug und erkundete auf eigene Faust sein Revier. In der Nähe verlief eine Bundesstraße. Dort war er wohl einmal zu langsam unterwegs. Er wurde angefahren und musste eingeschläfert werden. Vielleicht hat ihn auch ein Fuchs erwischt – ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. Die Trauer war jedenfalls groß.
Mikesch – mein Ein und Alles
Nachdem Kasimir nicht mehr war, wurde Mikesch zum wichtigsten Wesen in meinem Leben. Ich liebte ihn – auch wenn er manchmal ein richtiges Arschloch sein konnte. Nach vielen Jahren musste auch er wegen Krankheit gehen und wurde neben Kasimir in unserem Garten beerdigt.
Hoppel, Poppel und das große Federvieh-Chaos
Zwischendurch gab es noch zwei Hasen – ich glaube, sie hießen Hoppel und Poppel. Dann einen Hahn und mehrere Hühner, mit denen ich nie so richtig warm wurde und die deshalb keine Namen hatten.
Kleeblättchen und Löwenzähnchen
Und dann waren da noch Kleeblättchen und Löwenzähnchen – zwei Gänse, die mir anfangs überall hin folgten und später nur noch doof fauchten, wenn man sich ihnen näherte.
Was am Ende auf dem Teller landete
Hasen und das Geflügel landete irgendwann auf unseren Tellern. Mir wurde als Kind glaube ich jedes Mal erzählt, das sei gekauftes Hühnchen. Als die Hühner und der Hahn geschlachtet wurden, spielte ich mit den abgetrennten Füßen – mir wurde gezeigt, dass sich die Zehen spreizten, wenn man an der Sehne zog. Ich weiß, das klingt im Nachhinein betrachtet irgendwie verstörend. Aber als Kind macht man sich darüber keine Gedanken.
Die tierlose Zeit und der Umzug nach Freiburg
Danach gab es eine Weile keine Haustiere mehr. Die Wohnsituation ließ es nicht immer zu – zwischendurch mal zwei Hamster, aber die leben ja leider nicht besonders lang. Als ich für mein Studium nach Freiburg zog, hatte ich weder Zeit noch Platz für Tiere. Manchmal kamen Nachbarskatzen in die WG zu Besuch – mehr aber auch nicht.
Wie es nach dem Studium weiterging mit Haustieren? Das steht im zweiten Teil dieser Geschichte.
